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Die Viktor-Zeile


Schwitters nannte Dada den christlichen Geist auf dem Gebiete der Kunst (1) Am oberen sowie am unteren Rand der Reproduktion brachte Schwitters jeweils ausgeschnittene Schriftzeilen an. "Gedankenvoll ließ Viktor das Blatt sinken", liest der Betrachter unten. "Sinken" Eine Gebrauchsanweisung? Der Künstler antizipiert die Reaktion eines Mannes? "Blatt"? Die Bezeichnung "Blatt" für die kleine Reproduktion erscheint erst in der Bedeutung : Grafik, Arbeit auf Papier treffend. Die Zeile scheint einem Roman entnommen, ruhig, besänftigend. Nicht etwa gedankenverloren, nein, angefüllt mit Gedanken ist der Kopf von Viktor, nachdem er offenbar etwas erfahren hat. Nicht wie vom Blitz getroffen durch ein jähes Erkennen, nein, das Ergebnis ist gerade erst auf dem Weg und wird sich sicherlich auftun; und Viktor scheint bereit, die Botschaft aufzunehmen. Diese wird ihn nicht zu Heiterkeitsausbrüchen leiten. Der einzige in diesem Zusammenhang relevante ", Viktor" genannte Mann aus dem Umkreis der "Heiligen Familie Hausmann" könnte der Familienvater Viktor Hausmann sein, Vater des Raoul. Viktor könnte die Figur des Vaters an sich repräsentieren, im Freudschen Sinne, im expressionistischen Sinne... Seit Anfang 1920 weilte Viktor Hausmann bereits im Himmel, einem Aufenthaltsort, der ihn getreu der Baaderschen Devise "Die Menschen sind Engel und leben im Himmel" nicht aus der Reihe der möglichen Betrachter des Blattes ausschloß.(2)
(1) Tran 35, S.35 oder Die Geheimlade. ein Novelett. Aus Anna Blume. Neue Dichtungen (2)In Die Raddadistenmaschine von 1921 deutete er die neue Richtung an. Merz und Dada gehen zusammen Nachdem er wie man Dada lernt in "Das große Dadagluten" 1920 bekanntgegeben hatte.weiter
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