copyright © Delia Güssefeld 2000
dguessefeld@dieheimatdelias.de

Stilistische Einordnung

Es ging Schwitters nicht darum, das Gemälde in Dresden in Frage zu stellen, das er schätzte. Er "korrigierte ein Meisterwerk" in der Art wie es auch Duchamp tat, und in der Art der Werke, die auf der Ersten Internationalen Dadamesse 1920 in Berlin präsentiert wurden, das heißt er interpretierte es neu, wie auch die zeitgenössischen Kunsthistoriker dies immer wieder taten. (1)Gleichzeitig plazierte er sich unter die großen europäischen Künstler. Er war nicht in dem Sinne respektlos den klassischen Werken gegenüber wie es extrem in der sogenannten Kunstlumpdebatte gefordert wurde, die ihren Anlaß in Dresden fand; seit Mitte 1920 als Reaktion auf die Kämpfe während des Kapp-Putsches. Zerstörung europäischen Kulturerbes lag ihm nicht. Schwitters zerbrach nicht. Er war sich seiner Identität als Künstler sicher. Er baute, um sich selbst zu erfreuen und andere zu belustigen. Dieser Aspekt des Bildes, der auf komische Art erlösende, kommentierende war seit langer Zeit nicht mehr erkennbar für den Betrachter, im Dadarevival-Fieber der fünfziger und sechziger Jahre erinnerte sich niemand. Schwitters war tot. Hausmann hatte an dem desavouierenden Inhalt der Hommage kein Interesse, schmückte sich lieber mit den anderen Hommage Arbeiten, die Schwitters für ihn angefertigt hatte. (wie fmsbw, das er zuerst als Portrait Hausmann vortrug (s.u.) und den Zeugnissen der geglückteren Zusammenarbeit wie PIN . Das liegt nicht zuletzt am eher privaten Charakter des zeitgenössichen Rezipientenkreises. Meines Wissens war das Blatt niemals öffentlich ausgestellt. Kate Steinitz erinnert sich an die Schwittersche Arbeitsmethode seine Werke auf Nimmer-Wiedersehen in Schubladen verschwinden zu lassen. Ist es vorstellbar, daß nie jemand anderes als Schwitters sich über den verborgenen Sinn des Bildes amüsiert hat?

Hannah Höchs alte Rechnungen gehen wieder einmal auf. Sie verwahrte als Teil des Hausmann Nachlasses den Brief von Schwitters vom 10.Oktober 1921 aus der Zeit ihres Zusammenlebens mit Hausmann. Wenzel Kind, ist, wie wir noch sehen werden, das Portrait eines Paares: Hannah Höch ist in ihrer Rolle als Jungfrau Maria und Gottesgebärerin gezeigt.


1.Vgl. Anm. Grimmeweiter
Hier geht es wieder zurück zum Anfang