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Der Papst

Wenzel Kind sollte nicht nur als Doppelportrait des Künstlerpaares Höch- Hausmann erkennbar sein, sondern als Gruppenportrait der Berliner Hausmann-Dada-Fraktion . Baader, der Oberdada, war einer der fünf Dada-Päpste. Ihn verkörpert hier ohne weitere Attribution Papst Sixtus II.(mit den Gesichtszügen Julius II, dem Auftraggeber des Bildes, 1513) In der Reproduktion sichtbar bleiben die Engel des Bühnenhimmels, an das Statement Baaders mahnend: Die Menschen sind Engel und leben im Himmel. Baader hatte auch ein dadaistisches Pamphlet zum Thema dadaistische Geschlechtszentrale veröffentlicht, gewissermaßen als aperçu: Die Jungfrau Maria zum Schutze Deutschlands angerufen. Die unbefleckte Empfängnis als Staatsreligion unmittelbar bevorstehend Durch den Fürbittegestus des Papstes ist die Gemeinde der Gläubigen als andächtig Betrachtende mitgedacht. Und in der fiktiven Person des Viktor in der Textzeile unten scheint der moderne Betrachter des Schwitterschen Werkes vorweggedacht. Und fordert zu einer ähnlich andächtigen Haltung des Publikums bzw. des Auditoriums auf, das an der stillen Santa Conversazione teilnehmen kann, wie dies auch Max Ernst mittels der gleichen Betitelung einer ähnlich komponierten Collage aus dem gleichen Jahr empfiehlt(3). Die Forderung nach Kontemplation, welche die Bildkomposition dem Betrachter abverlangt, verstärkt sich durch Wörter wie" gedankenvoll" und " berührt" aus der Viktor- und Amerikazeile
(3) (Santa Conversazione, Max Ernst , 1921, Abb. Tendenzen 3/14
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