Zugänge
Parkarchitektur
Wasser
 Zeitachse
zusätzliche Hinweise
Laub der persische Eiche
 literaturangaben

Hermann Flak 1953
Die Arbeitsgemeinschaft zur Pflege der Heimatgeschichte in steter lieber Erinnerung gewidmet Hermann Flak Berlin Tempelhof den 16. Juli 1953 Wanderung durch das Dorf Tempelhof in den Jahren 1890 - 1905 Liebe Heimatfreunde, Ganz anders als jetzt 1953 präsentierte sich das dörfliche Tempelhof kurz vor der Jahrhundertwende und kurz nach derselben,. Es hatte einen stark bäürlichen Charakter und führte ein geruhsames Leben In der Dorfstraße gab es noch eine Anzahl großer Baürnhöfe. In den Nebenstraßen saßen noch einige Kleinbaürn auf ihren Klitschen. In ruhigem Schlendrian fuhren die Erntewagen durch das Dorf, und nur die Milch und Brotwagen auf der Chausee [sic !] hatten es eilig, da sie ihre Erzeugnisse zur rechten Zeit nach Berlin bringen mussten. Im Zuckeltrab fuhr die Pferdebahn vom Döhnhofplatz alle 12 Minuten bis zur Kaiserin Augusta Straße, bis zur Mariendorfer Kirche alle 24 Minuten. Diese Pferdebahn war eingleisig und an der Dorfstraße und am Pferdebahnhof angelegt, ebenso 2 Weichen auf dem Tempelhofer Felde. An den Sonntagen wurde es in Tempelhof dann lebhafter. Da kamen mit Pferdebahn, Kremsern und zu Fuß die lufthungrigen Berliner um in den Lokalen Kaffe[sic !] zu kochen und sich auf den Wiesen am Birkenwäldchen und der „blanken Helle“ zu lagern. Auch die Wege durch die Kornfelder wurden viel begangen und die nähere Umgebung durchwandert. Vom Bahnhof aus hatte man eine freie Aussicht rechts nach Rixdorf und links nach den Bezirkskommandos nach Schöneberg rüber. Dort war auch seitwärts noch die alte Heerstraße nach Teltow bis zur Eisenbahn der so genannten Verbindungsbahn. Dort war ehedem der erste Bahnhof von Tempelhof. Wo wohnten nun damals in Tempelhof die Bürger, die einigermaßen bekannt waren ? Wer waren Sie und was betrieben sie im Dorfe? Dieses will ich Ihnen jetzt erzählen, auch von öffentlichen Gebäuden u.s.w. Folgen Sie mir bitte nun auf einer Wanderung durch Tempelhof. Meine Erinnerungen gehen bis in das Jahr 1890 zurück und so will ich Ihnen als Kind und junger Mann jetzt berichten. Zum Bahnhof dem „Verbinder“ ?? führte ein bergiger Aufgang. Das Bahnhofsgebäude war ein einfacher Bau mit einer offenen Veranda. Wollte man nach Rixdorf fahren, so mußte man über die Schöneberger Gleise. Es kam vor, das aus Schöneberg und Rixdorf zu gleicher Zeit Züge ankamen, dann mussten die Fahrgäste von Schöneberg solange warten, bis der Zug nach Schöneberg abgepfiffen wurde, dann gingen die Fahrgästen nach Rixdorf und von Schöneberg durch die Barriere. Die Bahnsteige waren nicht gedeckt, und war man bei Schnee und Regen dem schlechten Wetter preisgegeben. An Sonntagnachmittagen gingen viele Tempelhofer nach dem „Verbinder“ um über den Staketenzaun die Züge aus beiden Richtungen zu beobachten. Die Verwandten und Bekannten wurden vom Bahnhof abgeholt, und es war auf dem Bahnhof ein ?? Kleinstadtleben nach bei der Großstadt. Nun kommen wir zur „Kaserne“ in welcher das Garde Train Bataillion liegt. Im Jahre 1903 war nun das 25 jährigen Jubiläum der Kaserne. Der Kaiser hatte sich kurz vorher dazu angemeldet und kam auch mit diene ?? überspannten Landaür an einem regnerischen Apriltage angefahren. Die Ausschmückungsarbeiten waren in der letzten Minute noch nicht fertig, als es hieß Majestät kommt. Da kam nun der Landaür gefahren und alles schrie Hoch und Hurra die Musik spielte. „Heil Dir im Siegerkranz“ nur die Hauptperson sah niemand. Der Kaiser hatte sich des Regens wegen in den Fonds des Wagens zurückgezogen und zahlreich erschienene Patrioten machten alle lange Gesichter. Der Wagen verschwand in der Privatstraße an der Ringbahn vor dem Offizierskasino. Im Kasino muß es lustig hergegangen sein, denn nach der Abfahrt war Majestät in bester Laune. Er winkte seinen Patrioten huldreichst zu . So waren die Tempelhofer trotz des schlechten Wetters doch noch begeistert nach Hause gegangen. Als Kinder gingen wir öfter vor oder in die Kaserne Kommisbrot kaufen, je nach Angebot und Nachfrage zahlten wir 25 bis 35 Pfennig dafür. Hauptsache für uns war es aber in die Kasernenstube hinzukommen um das Leben und Treiben dort zu sehen. Daß wir dabei auch manchmal an die frische Luft expediert wurden machte uns Kindern nichts aus. Hinter der Kaserne war das „Garde Train Depot“ und anschliessend das Königliche Proviantamt. Hier war die Fourage und die Lebensmittel für die Berliner Garnison untergebracht. In dieses Proviantamt mal hereinzukommen misslang uns immer, da dasselbe immer von Soldaten verschiedener Gattung streng bewacht wurde. Dieser große Komplex hatte an der Nordseite Anschluss an die Ringbahn. In diesen Jahren war die Kasernenuhr die einzig öffentliche, die man in Tempelhof laut schlagen hörte. Neben der Kaserne Berliner Straße 6 wohnte der Königliche Oberstallmeister Jung, der bei König Friedrich Wilhelm II im Dienst war und schon seit 1861 seine Pension bekam. Er war Kirchenältester und genoß im Ort hohes Ansehen. Nr. 7 war der Uhrmacher Holzinger, ein gemütlicher Süddeutscher, und nachdem der Uhrmacher Altmann. Dieser sagte immer zu seiner Kundschaft dass er für einmal in die Uhr hineinsehen 5 Mark verlange, wahrlich ein lukratives Geschäft. An der Ecke Ringbahn und der Berliner Straße war die kleine Gärtnerei von Büs, der einen Handel mit selbstgezogenem Obst und Gemüse betrieb. Gleich daneben war das Restaurant Kiesewetter oder Wilhelmsgarten. Hier fanden Hier fanden auch die beliebten Kinderfeste statt. Sonntags schwengten [sic !] aber die Soldaten vom Garde Train Batallion mit den Tempelhofer Schönen das Tanzbein. Im selben Hause war auch die Drogerie von Ancker (?) Herr Ancker mit seinem weissen Vollbart und seinem goldenen Kneifer hatte eine scharfe Konkurrenz mit der schräge gegenüber liegenden Adler Apotheke zu bestehen. Er war dorfbekannt wegen seiner großen Höflichkeit und Zuvorkommenheit,dDie „Rezeptur“ der Teltower Kreissparkasse war in seinen Händen und so brauchten die Sparer nicht bis zur Hauptsparkasse nach der Viktoriastr. in Berlin zu fahren. Auch hatte er das Amt eines preussischen Stempelverteilers und versah die Schriftstücke und Dokumente mit Stempelmarken die dadurch einen amtlichen Charakter bekamen. Hinter dem Wilhelmsgarten aber war freies Feld und Ackerland. Hier wurde 1893 das 80jährige Jubiläum der Schlacht von Großbeeren begangen. Es war eine große Vogelwiese, wie sie Tempelhof noch nie gesehen hatte. Wochenlang wurde hier gefeiert. Um die Jahrhundertwende wurde dann hier der Borrussia Sportplatz angelegt. Der Kronprinz kam öfter mit seinem Dogcart angefahren um an den großen Fußballwettkämpfen sein Interesse zu bekunden. Er wurde immer von den Sportlern und Zuschaürn spontan begrüßt- Berlinerstr. 11 war das Haus des Majors Gudlat(?) der mit seiner jungen Frau fleissig Hausmusik machte. Mancher der hier vorbeiging hörte sich das schöne Zusammenspiel der beiden an. Herr Wolf hatte seine Pferdehandlung nebenan, kenntlich durch eingemeißelte Pferdeköpfe an (Vorn(deko?) hause und den hinteren Pferdeställen. An Major (..................) "

An der Westseite der Kirche hart an der Kirchhofs Umfriedung stand das alte Meierhaus in welchem Vater Kietzmann wohnte der letzte Meier des Dominiums. Er starb über 90 Jahre alt um das Jahr 1893. Vom Meierhause etwas entfernt war Mischkes Haus. Mischke, ein Gärtner, hatte auch die Pflege des Gutsparkes. Der Guts- oder Dominiumspark war wild und romantisch. Eine Holzbrücke führte über den Teich, auf dem im Winter eine Eisbahn war. Im Frühjahr war der Teich wochenlang aus seinen Ufern getreten. Der Weg zwischen Teich und Kirchhofsmaür war dann so überschwemmt, dass man einen Umweg durch den Park machen musste, um zur Bosestraße zu kommen, welche auch noch eine ungepflasterte Straße war. Rechts der Straße ist der Franckesche Park, der ein Teil der Tempelhofer Baumschulen war. Er zog sich bis zur Manteuffelstraße hin, und war durch einen Teich in 2 Teile geteilt, über welchen eine Holzbrücke führte. Auf dem Ostteil des Gewässers war eine schwimmende Insel. Wie sie der Wind trieb war die Insel früh an der Brücke und mittags wenn wir Kinder aus der Schule kamen an der Schönburgstr. Von der Brücke aus hatte man eine schöne Aussicht zur Dorfkirche. Wenn sich beim Läuten die Glocken im Wasser spiegelten, war diese für uns immer sehr feierlich. Auf dem Teich fuhren meine Eltern und wir Kinder abends oft mit einem Räderkahn, welches uns riesigen Spass machte. In einem der beiden Häuser war von 1891 bis 98 die kath. Kapelle für die wenigen Katholiken von Tempelhof. Dieses Haus grenzte an die Kirchhofswand des alten Kirchhofs und hatte eine über das ganze Haus reichende offene Veranda. Wenn dann an hohen Feiertagen der kleine Kirchenraum, 2 Zimmer zu einem vereinigt, nicht ausreichte standen die Gläubigen auf der Veranda und hörten bei offenem Fenstern dem Gottesdienst zu. Nach dem Bau der neün Kirche zogen meine Eltern in diese Räume, und habe ich so meine weitere Jugend im Schatten der Kirche zugebracht. Das zweite Haus mehr nach der Manteuffelstr war nun mein Heimathaus, an welches mit schönen Erinnerungen anknüpfen. Der Spuk in der Kapelle ist eine von diesen. Hinter dem Kapellenraum wohnten Engländer und diese erzählten uns fortwährend, daß es in der Kapelle nicht mit rechten Dingen zugehe. In der Nacht zum 27. Januar 1894 kam dann die Engländerin nach unserm Haus gerannt mit der Mitteilung, dass es in der Kapelle wieder spuke. Mein Vater und wir Kinder raus aus den Betten und zur Kapelle gerannt, war eins. Vor der Kapelle stellten wir und auf um den Spuk Geist mit Knüppeln zu empfangen. Meine Vater und der Engländer wollten den Geist von der Veranda aus verdrängen. Meine Eltern hatten sonst immer die Schlüssel zur Kapelle, aber in diesen Tagen waren dieselben bei den graün Schwestern im Lazarett. So konnten die Verteidiger der Kirche nicht in den Raum gelangen. Plötzlich ertönte in der Kapelle ein Geklingel sonderbarer Art, welches wir alle vernahmen. Es war so als wenn jemand durch die Kapelle schnell lief und die Messklingel schwenkte. Es war schaurig schön anzuhören. Am andern Morgen holte ich die graün Schwestern, und die Kapelle wurde aufgeschlossen. Nach eingehender Untersuchung fand man die Messklingel an der Evangelienseite stehen statt an der Epistelseite. Wie kam die Klingel dorthin ? Dieser Spuk kam dann in viele Berliner Zeitungen .Meine Eltern und die graün Schwestern wurden von den Presseleuten ausgehorcht. Die Probstei St. Hedwig nahm sich dieser Sache an, aber es war nichts weiteres über den Spuk heraus zu bekommen, der soviel Lärm gemacht und Aufsehen gemacht hatte. In unserem Haus wohnte noch ein Schriftstellerehepaar Brandrup. Diese waren ganz sonderbare Menschen. Bei Tage schliefen dieselben, und in der Nacht dichteten Sie. Er schrieb fürs deutsche Knabenbuch. Sie schrieb als Tochter des Generals von Widdern fürs deutsche Mädchenbuch unter dem Namen Marie Widdern. Ab und zu ergab man sich dem Alkohol und dann wurde der ganze Park von beiden umgedreht. Wenn der Teich im Winter nicht abgeeist wurde, war große Eisbahn dort. Mit Musik und Grogbuden, dass der Gastwirt Trinkaus vom gegenüberliegenden Birkenwäldchen finanzierte. Die Birke war wohl das schönste Ausflugslokal der Berliner. Im Sommer war das Restaurant wochentags und Sonntags besetzt. Wochentags kamen die Schulen und Kindergottesdienste zum Birkenwäldchen und fröhliches Treiben war hinter dem Lokal und denn nebenan liegenden Wiesen und Sandkuten. Die Berliner Ferienkolonie kam in den Sommerferien und schlug hier auch ihre Zelte auf. Sonntags waren dann die Militärkonzerte und die blauvioletten und schwarzen Vereine waren für 15 Pf. zu Gast. Und Knüppelkunzes Anhänger kamen oft hierher und hielten ihre Versammlungen ab. War doch Herr Trinkaus ein Anhänger dieser Vereinigungen und Juden waren Ihm nicht angenehm. Freitags kamen dann die Bocciaspieler, alles Garibaldi Italiener mit ihren breiten Krämpen an den Hüten. Leiter dieser Vereinigung war der Weingroßhändler Gozzolo aus der Lindenstraße.

Boccia war ein Spiel mit kleinen Holzkugeln aus dem wir Deutschen nicht klug wurden. Im hinteren Garten war dann ein kleiner Vergnügungspark. Wenn dann Pummi Hanke mit seiner harten Zimmermannsfaust an die Schenkel schlug und mit Stentorstimme rief „ es hat gebummst“, sahen wir Kinder immer nach unserer eigenen Hand, ob dieselbe noch dran war, so einen Schreck bekamen wir. Nördlich der „Birke“ ging ein Feldweg durch Acker und Kornfelder bis zur Anhaltebahn. In einem Grunde lag Haberechts Puhl und nicht weit davon ab Lehnes Puhl. In dieser Gegend hatte der Feldhüter Rohde aus Rixdorf sein Revier. Wir Kinder nannten Ihn „Vater Itsche“. Während Rohde nachts schlief, stellte ihm die Tempelhofer Jugend seine übernachtungsbude mit Ihm selber an den Rand des Lehne’schen Puhles, so dass ein kleiner teil der Bude schon im Wasser war. Am Morgen befreite man Rohde aus seiner unfreiwilligen Lage aus seiner Bude. Die Knechte und Mägde von Lehre wussten nicht genug von der heiklen Lage des Feldhüters zu erzählen. Rohde soll sich von diesem Tage „anständiger 2 zu den Tempelhofern benommen haben. Neben dem Feldweg hatte nun der lahme Vater Nickel sein Gärtchen aufgemacht und verkaufte den Bürgern für billiges Geld seine Erzeugnissen. Nebenher verstand sich Vater Nickel auch och auf das besprechen der Rose. Er ging nicht ohne weiters zu seinen Patienten, sondern man mußte Vater Nickel holen. Sonst half die Besprecherei nichts. Viele aus Tempelhof, auch meine Eltern und Großeltern nahmen die Kunst Vater Nickels in Anspruch, die dann, die dann auch geholfen hat.

.....

....

Die Manteuffelstr. war ein sandiger Fahrweg.Bis nach der Lankwitzer Chaussee stand kein Haus. Kam man weiter an die Chaussee heran, so wurde der Weg immer sandiger und lehmiger und etwaige Fuhrwerke konnten die Straße kaum noch passieren. Doch nun bis zur Albrechtstr. Zurück. In dieser Gegend sollte nach dem Kriege eine Villenkolonie entstehen, aber bei der allgemeinen Baupleite Mitte der siebziger Jahre kam man damit nicht weit. In der Friedrich Franz Straße steht die Villa Bethke, die von einem Tierzüchter und Botaniker bewohnt wird. Am Friedensplatz selbst sind die Villen Hasse und Humbert, weiter in der Albrechtstr. die Villa Ebert. Dieser ist ein Papierfabrikant aus Eberswalde, in dessen Papierfabrik das Papier mit dem amtlichen Wasserzeichen für Geldscheine hergestellt wird. Eberts unterhalten in der Mohrenstr. ein großes Auslieferungslager mit den dazugehörigen Büros. Gerade über von Ebert die Villa des Kunstmalers Bodenstein, in welcher im Sommer große Feste und Soiréen veranstaltet werden. Nebenan die rote oder russische Villa, in welcher ein russischer Schriftsteller wohnte. Weiter tief im Garten drin die Villa Sobotta, deren Besitzer am Halleschen Ufer in Berlin ein Malerei Geschäft betrieb, und nur im Sommer in Tempelhof wohnte. Die anschliessende Seite des Friedensplatzes und der Blumenthalstr. Bildete eine rote Steinmaür als Umfriedung des ehemaligen Dominiums. Blumenthalstr. 1 hatte sich der Verlagsbuchhändler Müller, der „Millionenmüller“ in seiner schönen Villa niedergelassen. Er hielt für sich und seine Familie Reitpferde. Wenn Millionenmüllers durch die Straßen ritten so waren Sie Vornehmheit selbst. Unser Weg führt uns wieder durch den Park zur Berliner Str. zurück zur Villa des Großindustriellen Herrn Kauffmann. Diese Villa am Südrand des Parkes gelegen, sah prächtige Gartenfeste und Illuminationen und dergleichen. Viele Gäste wurden öfter in dieses Haus geladen. Bis jetzt war man im „Dorfe“, und kam nun an der Albrechtstr. Nach „Neu Tempelhof“. Dieses war erst um 1870 oder auch etwas früher bebaut worden längs der Chaussee.

...

Zu beiden Seiten der Berliner Str. westlich an der Albrechtstr. waren die Gärten der Tempelhofer Baumschulen , deren man in Tempelhof noch öfter begegnen wird. Kommerzienrat Francke ließ dieselben um 1870 anlegen und vergrößerte sie 1893 bis hinter das Lazarett hinaus. Berlinerstr. 32 war das Fuhrgeschäft von Spletzer ein ziemlich großes Unternehmen. Im Nebenhause Nr. 33 war der Gasthof Stadt Dresden oder „der tolle Hengst“. Hier hielten wohl zum ersten oder letzten Male die Fahrzeuge die von Berlin oder nach Berlin kamen. Sonst war es ein berüchtigtes dem Gastwirt Tilmann gehöriges Lokal. Sonntags tanzten hier die Tempelhofer Train und Sanitäter und aus Berlin die Dragoner der BelleAlliancestr. Zwischen diesen Rivalen gab es immer Krach .so flogen mal die einen oder anderen Soldaten der Mädchen wegen bis auf die andere Straßenseite. Tillmann bot Anfang der neunziger Jahre dem Pfarrer Dr. Rudolphi zur Abhaltung des kath. Gottesdienstes an. Da bekam er von dem Pfarrer die Antwort „Da wo man Abends dem Totschlag und dem Teufel huldigt, kann man frühmorgens nicht dem lieben Gott diesen. Der Kapellenraum wurde darauf im Franckeschen Park am alten Kirchhof gemietet. Im Nebenhause Nr.34hatte Bäckermeister Fehling seine Brot- und Kuchenbäckerei.“ Nach seinem sehr frühen Tode führte die Witwe mit ihren Söhnen und Töchtern die Bäckerei rüstig weiter, und genoß die Familie einen guten Ruf in Tempelhof. Um die Ecke in der Kaiserin Augusta Str. war der große Backhof und wir Kinder rochen zu gern den frischen Duft der dort abkühlenden Backwaren.

...

Tempelhofs reiche Seite ist nun durchwandert und Mariendorf ist in Sicht. Auf der linken Seite sind etwas abseits der Straße die Schätzelberge. Hier lieferten die Tempelhofer Jugend und ihr erbitterten Feinde, die Mariendorfer Jugend ihre Schlachten: Es geht hier manchmal hoch her und an der folgenden Tagen wird in der Schule öfter weiter geschlagen, vom Lehrer natürlich auf dem Gesäss der Schüler. Eltern deren Söhne auf den Schätzelbergschlachten zuviel abbekommen hatten, zeigten diese der Schule an und die Lehrer verteilten nun die Strafen an diejenigen, welche bei der Schlacht zu wenige bekommen hatten. Die Lindfeder daneben ist ein sumpfiges trübes Gewässer, dass sich öfter verzweigt. Es wachsen hier viele Weiden und zum Palmsonntag holte man sich hier Weidenkätzchen die es in Hülle und Fülle hier gab. Im Winter tummelten sich die Kinder auf dem Eise der Lindfeder. Brach das Eis mal ein ging man höchstens bis an die Knie ins Wasser, und ein Schnupfen war das Einzige, was man da bekam. Die Lindfeder ging bis in die Nähe der Kaiser Wilh.str. heran. Hinter der Lindfeder zog sich weit und breit Ackerland bis zur Britzer Grenze, bis zur Verbindungsstr. Rixdorf, Mariendorf. Als erstes Haus in der Berliner Str. ist das Egertsche zu nennen. Auf dem Hofe betrieb Herr Egert einen Schlächterladen. Hinter dem Egertschen Hause die Berliner str. entlang stehen kleine unbedeutende Häuser und rechts in der Friedrich Wilhelmstr. sind unbebaute eingezäunte Grundstücke. Bei der andern Seite der Friedrich Wilh.str. ist man nun an der hinteren Seite des Lazaretts. Wir Tempelhofer sagten „ Wir gehen hintert Lazarett ähren lesen, denn hier waren die Kornfelder der Tempelhofer Baürn und die Gemüsefelder der kleinen Besitzer. Friedrich Wilhelmstr.8 hatten zu Anfang des Jahrhunderts Italiener eine Mosaikfabrik eingerichtet. Als Symbol ihrer christlichen überzeugung hatten Sie an der Vorderwand einen überlebensgroßen Christus aus kleine farbigen Mosaiksteinchen angebracht, der in Tempelhof viel Beachtung fand. Nr. 10 befand sich die Lackbude“ von Müller, die Schuhappretur und Stiefelwichse in großen Mengen herstellte. Dadurch hatten eine Anzahl Tempelhofer Verdienst gefunden. An der Ecke Berliner str. war nun das erste 3 Stock Hochhaus wo der Uhrmacher Assmann sein Geschäft und seine Werkstatt betrieb. Auch war hier das Restaurant Wienecke ein gut bürgerliches Lokal. Nr.77 in der Berlinerstr .ist nun die Samenhandlung von Schwarz , wohl die einzige im Orte. Herr Rähse Nr. 78 war auch dorfbekannt, er hatte im Hofe des Hauses eine Schlosserei und Beilschleiferei. An der Ecke der Kais.Aug.Str. war Bocklitz, hier verkehrte der solide Mittelstand. Zu Anfang des Jahrhunderts übernahm Herr Schulze das Lokal. Er bekam den Namen „Suppen Schulze“ Wenn nämlich die Tempelhofer spät aus Berlin von den Vergnügungen kamen, stieg man an der Ecke aus, ging zu Suppenschulze und aß einen Teller Ochsenschwanzsuppe, die Spezialität von Schulzes Restaurant. Der Hundekuchenfabrikant Kayser hatte Nr.84 seine Fabrik und seine Villa. Kaysers Hundekuchen war berühmt im ganzen Kreise Teltow und bis von Zossen und Baruth kamen die Baürn und sonstigen Bürger und kauften für ihre Köter Hundekuchen. Pferdebahngleise führten nun zum Garnisonlazarett II in der Moltkestr. Pferdebahnkrankenwagen brachten die kranken Soldaten nach dem Lazarett und die gesunden wieder in ihre Kasernen 2x am Tage kamen die Wagen aus der Dragoner und Franzen(?) Kaserne nach Tempelhof.Die Pferde lieferte das GardeTrain Bataillon und sonderbarerweise nicht die Pferdebahngesellschaft. Das Lazarett ist in den Jahren 1876 – 78 gebaut worden und zwar unter dem Protektorat der Kaiserin Augusta, und wird von den „graün Schwestern“ von der hl. Elisabeth geleitet. Diese Schwestern holet die Kaiserin Augusta die sehr katholisierte, auf ihren persönlichen Wunsch nach Tempelhof. Das Lazarett war immer voll besetzt, und die auswärtigen Besucher der kranken Soldaten wohnte n dann in der Nähe und die Anwohner hatten einen guten Nebenverdienst. In der Kais.aug.str. 85 direkt am Lazarett hatte der bekannte RatzenVoigt seine Käfige aufgeschlagen. Ausser den Ratten hielt er auch noch Meerschweinchen weisse und graü Mäuse. Frau Voigt fütterte über Tage diese Menagerie. Da die Ratten und das andere Viehzeug auch Junge bekamen war da öfter ein Wirrwarr von Tieren beisammen. Die Ratten fraßen die Meerschweinchen auf und die Meerschweinchen die Mäuse u.s.w. Ich hatte Gelegenheit ab und zu auf diesen „Viehhof“ zu kommen. Man wurde dort von einem Gekwietsche empfangen, und das Viehzeug ging die Wände hoch. Vor dem Lazarett lag de Gasthof Hollerbach, der von dem Lazarett lebte. Auch hatte er noch die Verwaltung der „Allgemeine Ortskrankenkasse von Tempelhof und Mariendorf, die sich im gleichen Haus befand. Nowacks Bierverlag war nebenan. Er zog Braunbier, Weissbier, Lübbener und Bayrische Biere selbst auf Flaschen und hatte damit einen guten Absatz in Tempelhof. Teicherts Gartenrestaurant an der Berliner Str. war sehr bekannt. Hier fanden im Garten die Sommerfeste der kleineren Vereine statt. Im Saal hielt Herr Teichert auf Ordnung, er nahm nur bessere Vereine auf. Sah er doch öfter, wie es im gegenüberliegenden“ Dollen Hengst“ zuging. Der Nachfolger war Guntermann, seines Lokals bester Kunde. In seinen letzen Lebensjahren trank er so hieß es statt Kaffee Cognac aus der Tasse mit Milch und Zucker. Baumeister Franzenburg wohnte nebenan Nr 82 Er starb sehr zeitig, hinterliess eine zahlreiche Familie, die im Orte sehr angesehen ist. Jetzt beginnen nun die Gärten der Tempelhofer Baumschulen. Im Garten Albrechtsstr. 19 ist die Villa des Obergärtners Kähler, der die ganze Verwaltung der Baumschulen unter sich hat. Die Baumschulen ziehen nun die ganze Albrechtstr. Mit kurzer Unterbrechung der Rückseite des Lazaretts zur Pulverbude hin. An der Rückseite des Lazaretts ist das Wohnhaus der Krankenwärter, in dem dieselben (Schiedlich) und friedlich zusammen wohnten. Am Ende der Baumschulen ziemlich am Britzer Weg war die Pulverbude des Pyrotechnikers (Nielandt), wo Feürwerk hergestellt wurde. Nielandt musste der Gefahren wegen sein Domizil ausserhalb des Ortes nehmen. In dem Baumschulgarten gegenüber dem Lazarett hatte sich der Besitzer Kommerzienrat Francke ein kleines Schweizerhäuschen baün lassen. In jedem Sommer kam er von Bad Homburg v. d. Höhe, wo er ein Schloss besaß, nach Tempelhof, und wohnte hier einige Wochen. Er lebte als Junggeselle sehr zurückgezogen, und starb 1897. Sein Grab ist auf dem Dreifaltigkeits Friedhof in der Baruther Str. zu Berlin Francke war der Brotgeber meines Vaters 4 /3 (?) Jahre lang. Mein Vater nahm mich zu Franckes Beerdigung mit. An der Ecke der Albrecht und Berliner Str. war das Comptoir de Baumschulen. Hier wurden öfter große Transporte von Obstbäumen, Coniferen und Taxus zusammengestellt, die bis ins Ausland gingen. Als Abschluss von Franckes Gelände ist in der Berliner Str. die Elfenbeinbleicherei. Von der Schmidtstraße in Berlin kam das geschnittene Elfenbein hierher, Claviertasten, Figuren u.s.w. wurden hier auf der Rasenbleiche oder unter Fensterbelag fachmännisch gebleicht. Herr Merker als Bleichmeister hatte darin einen guten Ruf. Neben der Bleiche ist nun viel Ackerland, welches sich bis zum neün Friedhof am Britzer Weg hinzieht. Nicht weit ab von der Berlinerstr. ist Baür Brederecks Puhl, wo sich vormals eine Badeanstalt befand.

weiterlesen über Parkarchitektur und Staffagebauten im Franckepark ?
oder zurück zum Literaturverzeichnis ?