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4.Tag Donnerstag 24. Juni

Görzna bis Tuchel

82 km gefahren

Autos mag ich doch. Ein Lkw mit Kennzeichen LV und Est heute. Einige Deutsche auch. und die Regenperiode heute morgen war doch nicht so schlimm. Habe noch keinen taktischen Tagesablauf entwickelt . Ich bin nicht die ganze Zeit begeistert.

Morgens 7 Uhr aufgestanden Davor geträumt: Ich war in Riga bei Toms Institut, konnte Rad nicht abschließen. Empfangssituation indifferent. Ich wurde ja nicht erwartet. Dann Krippenkinder Fehlerstraße in Not! Ich mußte dreie tragen. Chaos. Zum Schluß hatte ich einen dicken kleinen 1/2 jährigen Bruder auf dem Arm und war inmitten von gleichaltrigen Geschwistern und wir trugen alle Babies, die wir bemüht waren, glücklich zu machen. Mein Brüderchen hatte einen kleine braune Kappe auf und ich dachte auch an Günther, der nicht so glatt aussieht, aber der mich liebt. Gut geschlafen. Der Himmel ist blau. Wetterbericht war gestern: Sonne für die nächsten Tage. Heute will ich viel Essen.Eine Frau beim Supermarkt in Sypnowo antwortet mir auf deutsch, obwohl sie vorher gesagt hatte, sie spräche kein deutsch. Da fiel mir dann wieder ein, daß die Leute häufig nicht möchten, daß irgendjemand hört, daß sie deutsch verstehen oder sprechen. Also muß man nicht fragen, ob sie deutsch sprechen sondern auf deutsch drauflosfragen weil man so eine gute Chance hat, eine verständliche Antwort zu bekommen, Hier gibt es drei Fachwerkhäuser und eine restaurierte Fachwerkkirche Foto Baby und Schwester und drei Jungens,die von ihren Mopeds abgestiegen waren

Foto Auf dem Weg nach Ilowo Erdbeerpflücker

Hier scheine ich ein Grenze zu überqueren mehrere Pferdegummiwagen mit einem Paar mit ca. achtjähriger Tochter und ein Milchwagen. Was ich alles nicht fotografiere: Blumen am Feldrand, Blumen am Wegrand, Blumen als Art Bergwiese, Weinlauben, alte Häuser, Höfe, neue Häuser, Vogelscheuchen, mit Gardinen behängte Kirschbäume. Keine Wurstauswahl. z.B. gar kein Schinken. Teer, Asphalt, Schotterbelag, huppelige Straßen. Eben kommt ein Pferdewagen vorbei wie ein Bild aus "Kalte Heimat" von Volker Koepp. Die Wälder sind teilweise etwas langweilig zu durchfahren.

Bei Radonsk ein kaputtes Reetdachhaus. Danach zwei zerrottete Reetdachhäuser zwischen vielen grauen neuen. Kirche verputzt und neuer Zaun, noch weiter Kinder auf zu großen Fahrrädern; aber Armut in Gummistiefeln gibt es nicht. Manchmal sehe ich extrem gepflegte Gärten um Neubauten. Die Plattenbauten haben samt und sonders Stallgebäude. Mittagessen Aal und Salat. Aus Versehen bezahle ich mit 100 Sl-schein Die Bedienung machte mich aber darauf aufmerksam. Kopfschmerzen habe ich wohl auch wegen des schwülen Wetters. Zwei Männer und eine Frau aus Salzgitter bzw. Perleberg vor dem Hotel getroffen. Die Stadt war nicht so einladend, irgendwie unfreundliche Menschen, obwohl sie so schön an einem See liegt. Ich hatte auch vom Klang des deutschen Namens her etwas andres erwartet: Zempelburg. Die drei waren gerade beim Landratsamtvertreter der deutschen Minderheit im Zempelburger Kreis gewesen. Waren ganz aufgeregt wegen meiner Radtour, aber eher begeistert als entsetzt. Nachmittags ist es jetzt: 18.15 Uhr. Immer noch Gewitterwolken am Himmel, der hoch scheint, weite Wiesen, neuartige kleine Siedlungsbauernstellen auf halber Strecke Ort mit Molkerei und alten Fischteichen an einem schönen Fluß. Es riecht angenehm nach faulendem Wasser. Die Strecke zwischen Zempelburg und Tuchel ist grob geteert, weite Kornfelder grün vor dem grünen Wald um 16.30 spürbare Abendruhe. Hinter mir ein Teil des Himmels blau. Die Lerchen sind emsig am Zwitschern.

Foto 26 Film 1 solche Kolchosen sind selten (vor Tuchel) Wieszczyce

Abends

Ein Forstkongreß in Hotel/Internat ist der Rumreißer für mich. Zuerst englisch angesprochen. Der Leiter und ein Lehrer sehr nett, sprechen deutsch. "Leirer" sagt der Lehrer. Ich bin "Leirer", sehr anziehend, sehr bemüht. Bekomme trotz gewisser Hektik Kaffee und Andenken. Alle Herrschaften sind in freudiger Aufregung. Dann umziehen, Karokleid Silbersandalen Strickjacke. Fühle mich wohl. Dann zum Markt gewandelt. Zu dem Schild, welches mir beim Reinfahren aufgefallen war. Der vereidigte Übersetzer kommt soeben mit seiner Frau und drei kleinen Kindern heim - im Auto. Sofort entspinnt sich angeregtes Gespräch. Er ist Pole. Sie reagieren aufgeschlossen auf meine Pläne Er empfiehlt "Kot", wo Studenten seien. Das erweist sich als wahr. Unverputztes Haus birgt die normalen 22jährigen in Springerstiefeln, kurzen Haare, Bart. Bedienung unkompliziert. Karte mit Pizza. Zwei bullige blonde Geschorene bedienen ein Handy. Es erscheint Pulli, Jeans, langer Pferdeschwanz. Mittags dachte ich, wenn ich mich in die Nähe der Straße neben mein Rad legte, vielleicht dächte dann jemand daß sie Hilfe brauche - aber Pustekuchen.

Hier liegt ein polnisch/englischer Sprachführer von vor der "Befreiung". Eine Reise von Warschau nach London im Auto wird beispielhaft geschildert. Ob die jungen Polen wohl heute auch darüber lachen können?

Who Kto

rechts

poprawny

Moj bagaz tutaj My luggage here

samochod car

How are you Jaksie masz

Bardzo dobrze, dzienkuje

Przepraszam

Jetzt ist es zwanzig vor neun, mit Pizza vollgefressen Zwiebelsalat und Barschtsch und Ziwiec heute ist Donnerstag, der erst Abend, an dem ich nicht um halb neun schlafe. Hoffentlich regnet es morgen nicht. Ich denke an Harald Hauswald von Ostkreuz, der in Schlesien extra für eine Fototour unterwegs war. Acht Tische sind hier und 10 Barhocker und ein ewiges Kommen und Gehen.Vor mir Cordhose und Oberhemd .Musik kein Tekkno und kein Hip Hop

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