Bruno Reule, jetzt in Amerika

Meine Schwester und ich sind jetzt das zweite Mal hier. Es war natürlich nicht mehr ganz so spannend wie das erst Mal. Wir wollten eigentlich so wie gestern auf unsern Hof sehen, aber die Leute hatten gestern keine Zeit, die waren auf eine Hochzeit eingeladen und so mussten wir unsere Pläne ändern. Unsere ehemalige Magd wohnt in Kutno. Als wir das erste Mal hier waren, hatten wir versprochen, wenn wir wieder mal hier sind, werden wir sie besuchen. Vorher hatten wir dort angerufen, dass wir kommen. Wir sagten zu und ich bat, sie sollten doch mal in der Nachbarschaft ausfindig machen, wer deutsch sprechen kann. Das wollten sie auch tun. Als wir dort hinkamen, haben sie uns schon erwartet. Die Tochter war auf der Straße, die Mutter auf dem Balkon und sie freuten sich, dass wir dann endlich da waren. Natürlich haben wir dann mit Händen und Füßen gesprochen; denn die Dolmetscherin war noch nicht da. Die Nachbarsfrau aber konnte auch Deutsch. So hatten wir überhaupt kein Problem und wir konnten uns gut unterhalten. Die Frau heißt Henka. Ich fragte sie: Warum haben wir immer Henka zu Dir gesagt? Sie lachte: Weißt du, das kommt von deiner Mutti, ich habe immer Mutti zu ihr gesagt. Und sie sagte zu mir immer Henka.
Um zwölf Uhr gab es Mittagessen.. Es war so herzlich, sie sagte zu mir: O , Bruno, ich bin so froh, dass du da bist! Es ist unglaublich, wie freundlich die Menschen waren. Nach dem Essen, sagte Henka: Ich habe noch drei Kuchen gebacken! Tatsächlich kam sie noch an mit Kaffee und drei verschiedenen Kuchen. Als wir dann gehen mussten, sagte Henka: Ihr müsst noch Kuchen mitnehmen! Jedenfalls hatten wir einen schönen Tag." .

Hans Hastedt:

Wir waren gestern in Radebusch bei Strasburg. Wunderschön, dass uns das überhaupt gelungen ist, verdanken wir dem Ehepaar Kelm. Unsere jüngste Schwägerin ist in Radebusch geboren. Wir sind also losgefahren und haben uns mit den Taxifahrern verständigt, die uns an Ort und Stelle brachten. Mit großer Mühe hatten wir es geschafft. Ich möchte sagen, etwas Schöneres gibt es nicht. Wir haben viel erlebt und was soll ich noch viel sagen, ich sage einfach: Dankeschön!" .

Frau Erika Walther:

"Ich bin mit meiner Schwester hier, wir sind beide hier geboren. Das ist auch einen Applaus wert! Ich habe meinen Geburtsort gesucht und habe ihn nicht gefunden. Es war der Ort Schlawezin. Dieser Ort ist aber der Braunkohlengewinnung zum Opfer gefallen. Ich habe das Gelände gesehen. Meine Schwester ist in Posen geboren. Für mich ist das eine ganz aufregende Sache, weil ich das schon zehn Jahre im Kopf hatte, ich möchte mal nach Polen, am liebsten mit meiner Schwester. Ich sah keine Möglichkeit, hatte angefangen zu recherchieren und habe das dann wieder gelassen. Seit Dezember durch die Begegnung mit Herrn Kelm wurde diese Reise möglich. Für mich ist das eine Reise in ein unbekanntes Land. Ich weiß jetzt, wo mein Geburtsort liegt. Das hat mir viel gegeben. Innerlich wird noch sehr viel nachwirken. Ja, ich glaub jetzt, das reicht, und die vielen schönen Begegnungen seien noch zu erwähnen." .

Frau Magdalena Rutzmann:

Ich bin eine geborene Herter aus Borodino. Wir sind zu Dritt hier, mein Bruder, meine Schwester und ich. Mein Bruder ist hier geboren in Hirschberg bei Lodz, wo wir heute gewesen sind. Er war also noch ganz klein und meine Schwester war sieben Jahre als wir hier her kamen. Herr Lange war so freundlich und fuhr mit uns bis nach Löbau mit dem Bus und hat dort zwei Taxis bestellt. Wir waren sehr aufgeregt, als wir dann diese Straßen wieder erkannten von Lubaba nach Slotowo, wo wir oft mit dem Fahrrad zur Schule gefahren sind. Lubaba war früher Löbau und Slotowo war Güldenbach. Später war ich dann dort im Internat. Wir sind in Slotowa an der Kirche angekommen. An der Kirche war ein ganz schmaler Fußweg. Wir wohnten im Abbau, wie es damals hieß, etwas abseits. Da sind wir den Weg ein Stück runtergelaufen und plötzlich sagte meine Schwester: Da war immer der Hof und jetzt sehe ich den nicht mehr! Wir sind verkehrt! Und dann wurden wir ganz unsicher und sind noch mal umgekehrt und Herr Lange hatte noch jemand gefragt, ob es da wirklich runtergeht zu dem Hof Droschinski. Das wurde dann bejaht. Wir fuhren dann doch mit dem Taxi. Auf dem Hof war früher eine Familie mit drei Töchtern. Zwei Töchter haben in Lubaba im Krankenhaus gearbeitet. Eine dieser Töchter lebt auf dem Hof mit zwei Söhnen. Die Frau ist heute etwa 78 Jahre alt, sie hat uns mit den Söhnen überaus herzlich empfangen.
Wunderbar nett, freundlich, aufgeschlossen. Die Frau des Hauses hat Kaffee gemacht und Gebäck auf den Tisch gestellt. Ich hatte einige Fotos dabei, die wir früher auf dem Hof gemacht hatten und sie hat sie angeschaut und sie war auch ganz bewegt. Der eine Sohn hat uns den Hof gezeigt. Er hat ganz tolle wunderbare Maschinen: einen großen Mähdrescher, zwei Bulldogs, Kühe , Schweine, Jungvieh, Hühner, also ein ganz blühendes Anwesen. Nur eines gab es nicht, es ist außer der alten Dame keine Frau im Haus. Die beiden Söhne sind nicht verheiratet. Also gab es kein Gemüsebeet, keine Blumen, einfach gar nichts. An den Gebäuden konnten sie auch nichts reparieren, weil sie ihr Geld einfach in die Maschinen gesteckt haben, die auf dem Hof benötigt wurden. Wir sind sehr froh, dass wir dies erlebt haben.
Die Magd Lisa war früher wie eine Schwester zu uns, und die Lisa wollten wir unbedingt finden. Wir haben aber herausgekriegt, dass die Lisa gestorben ist, aber wir haben ihren Sohn gefunden mit Familie. Das war auch eine ganz große Freude. Wir haben die Kinder des Sohnes gesehen und das war auch ein schönes Erlebnis. Meine Schwester hat damals als Siebenjährige diesen Hof einfach als Heimat erlebt. Ich bin zwei Jahre älter und hatte noch Bessarabien in Erinnerung, aber für sie war es hier Heimat und sie hat oft davon geträumt, dass sie da wieder hin möchte. Immer wollte sie hierher und das noch einmal sehen. Und diesmal hbten wir es geschafft. Wir danken Ihnen herzlich, Herr Kelm, dass das möglich war." .

Otto Gäckle:

"Ich war skeptisch, wie das wohl sein würde, wenn ich da ankomme. Herr Lange hatte mir noch geholfen, da zurecht zu kommen. Ich habe festgestellt, dass der heutige Bauer jetzt schon der Enkel ist. Herr Lange hatte dem Bauern das erzählt, was wir eigentlich wollten. Dann nahm er die Hände hoch, kam auf mich zu und hat mich umarmt und gesagt: Warum bist Du nicht schon früher gekommen? Das hat mir so eine Freude gemacht. Ich habe noch fotografiert und alles angeschaut. Dann kam die Frau noch, die hat mich auch gleich begrüßt. Wir wollten bald wieder fort, aber ohne Essen fortgehen, das gibt es nicht, hat sie gesagt. Das hat mich so bewegt, gell, dass wir einfach dageblieben sind und wir sind dann trotzdem noch rechtzeitig nach Löbau hingekommen um wieder zurückzufahren. Ich danke auch Herrn Kelm, dass es mir möglich gemacht wurde, und vor allem danke ich Herrn Lange, dass er es mir ermöglicht hat und dort geblieben ist, damit wir uns verständigen konnten." .

Erwin Willging:

Was soll ich da groß erzählen? Wir sind gestern unterwegs gewesen mit Helmut, Waldemar und Gerhard, und sie haben den heutigen Ortsnamen und den von damals auch nicht so recht gewusst, aber Helmut wusste, dass dort eine Familie Emerling wohnt. Wir haben herumgefragt und eine Frau konnte sich noch an den Namen Emerling erinnern und hat uns dann auf den richtigen Weg gebracht, wo ihr Hof stand. Der Hof hat sich nicht sehr verändert. Wir sind dort angekommen, das Ehepaar sprach perfekt Deutsch. Der Mann war freundlich und wir sollen ins Haus kommen. Die Frau war verängstigt und hat immer rumgemotzt und dann hat es sich herausgestellt, sie hat Angst gehabt, dass ihr Viehe, ihre Schweine und Tiere Maul- und Klauenseuche kriegen könnten. Deswegen hat sie uns nicht auf den Hof gelassen. Für mich war es eine Enttäuschung, dass ich nichts erkennen konnte von dem Hof, weil alles verbaut war. Das Haus war relativ in Ordnung, aber alles andere nicht." .

Frau Elvira Schmidt:

"Wir sind heute schon zum dritten Mal mit Herrn Kelm hier. Wir haben hier schon sehr gute Freunde. Wir wurden 1945 von der Front überrollt und mussten das ganze Jahr über hier bleiben, das war hier gleich hinterm Wald. Wir wurden damals gleich nach der Flucht dort wieder sehr gut aufgenommen, weil wir auch nett zu den Polen gewesen waren. Wir hatten hier keine Schwierigkeiten. Und sie freuen sich jetzt auch immer ganz herzlich, wenn wir wiederkommen.
Heut waren wir gemeinsam mit Familie Seemüller auf Spurensuche und zwar kommen unsere Vorfahren aus dem Schwarzwald, und die sind ausgewandert nach Bessarabien über Polen. Und dieser Ort war ursprünglich bei uns in den Urkunden erwähnt. Aber auf keiner Karte konnten wir den Ort finden. Gestern machten wir uns auf Spurensuche und da war ein Pole uns behilflich, ja Galiczewo gibt es. Wir sollten ihm hinterher fahren und wir haben auch diesen Ort gefunden, wo unsere Vorfahren herkommen. Unser Ur-Urgroßvater ist damals hier geboren und 1850 sind sie dann von hier nach Bessarabien gezogen." .

Frau Gerlinde Hörer:

"Bei mir ist das wirklich so, dass ich mich an das Gut Penkow in Polen als an meine Heimat erinnern kann. In Bessarabien war ich ein Jahr alt, also bin ich 1939 geboren als wir umgesiedelt wurden. Ich war mit der Familie Kelm auch mit vielenAnderen schon in Bessarabien und wollte wissen, wo ich eigentlich herkomme, wo ich geboren bin. Nur, erinnern konnte ich mich nur an Polen.
Wir waren drei Kinder, mein Vater war eingezogen worden und meine Mutter war allein auf diesem Hof und hat den Polen also schalten und walten lassen, der ja in dieser Zeit nicht mehr Besitzer war. Wir drei Kinder waren der Mittelpunkt. Da sind wir aufgewachsen bis 1945, bis dann die Flucht kam. Ich habe immer erzählt, meinem Mann und allen, immer nur von Polen und wie es dort schön war und wir dort ein Gut gehabt haben. Es war mein ganz großer Wunsch, dies einmal wieder zu sehen, so wie es in meiner Erinnerung war. Da hab ich mich dann an Herrn Kelm gewandt und dann kam die Fahrt und wir sind dann halt mit. Gestern haben wir einen Taxifahrer bekommen, einen jungen Polen der sehr gut Deutsch kann, und der hat uns da hingebracht. Ohne ihn wären wir gar nicht dort hingekommen. Wir haben herumgesucht und den Ort nicht gleich gefunden, es waren immer weniger Häuser, je näher wir kamen. Mein Mann sagte: Wo isch jetzt des? Du hasch doch immer von ama Gut verzählt, wo isch des jetzt? Du waischtÕs doch?
Nein, das weiß ich nicht so, wo das war, wie soll ich das wissen? Auf jeden Fall sind wir ausgestiegen und auf den Hof gegangen, er war es aber nicht, nach dem wir gefragt hatten. Eine ältere Frau hat uns auf einen andern Hof verwiesen. Wir sind dort hingefahren und erkannten sofort unseren ehemaligen Hof, so wie ich ihn in Erinnerung hatte. Aber so verwahrlost und verfallen, die Ställe und die Gebäude. Ein Mann kam aus dem Haus und hat uns ganz skeptisch angeschaut. Ich habe Bilder dabei gehabt von damals und der Pole sagte dann zu den Fotos: Das ist euer Vater. Dann war der Bann gebrochen. Wir wurden ins Haus gebeten, die Frau des Hauses konnte etwas Deutsch und wir haben uns sehr gut unterhalten und alle haben sich gefreut. Auch die Polen hatten an uns gedacht, was wohl aus uns allen geworden sei. Das ist denen genau so ergangen wie uns. 1945, als die Flucht begann. Wir sind nicht mehr rausgekommen, als wir schon unterwegs waren, mussten wir wieder zurück. Wir waren dann noch ein ganzes Jahr auf dem Hof. Da haben sich die Leute so um uns bemüht und wollten uns, meine Mutter und uns Kindern, nicht mehr rauslassen, weil so ein Hass da war. Sie hatten Angst, dass uns noch etwas passiert, wir sollten doch da bleiben. Wir wollten aber unbedingt nach Deutschland, und wir sind dann rausgekommen.
Aber das Schönste ist, dass wir Verbindung haben mit den Leuten und wir sollen unbedingt wiederkommen." .

Frau Helga Holzer, geb.Gall:

Wir sind auch hier her nach Polen gekommen und ich bin in Waldhorst jüd Sommerkolonie!, wo wir heute waren, geboren. Mein Bruder ist 1943 hier in Polen geboren. Mein Vater ist bald danach gestorben. So ist meine Mutter mit uns zwei kleinen Kindern dann auf die Flucht gegangen.
Mich hat es halt auch immer wieder hier her gezogen, weil mein Vater, wie Herr Kelm sagte, in Widunia beerdigt wurde, und so haben wir zuerst den Friedhof aufgesucht. Wir haben das Grab nicht mehr gefunden, was mir ja auch einleuchtet, weil der Friedhof ja sehr stark belegt ist. Aber das war mir auch egal, ich wusste, er ist auf diesem Friedhof begraben. Und so konnten wir, konnten ich und auch die Gruppe, noch mal ein Gebet sprechen.
Von da aus sind wir dann nach Gsteri. Der Ort besteht aus vereinzelten Höfen. So konnten wir wenigstens das Gut aufsuchen, auf dem mein Vater die letzte Ruhe fand. Von da aus sind wir dann weiter. Wir sind dann doch noch mal nach Gsteri gekommen und wir fragten Leute, ob sie Gall kennen. Nachdem wir uns mehrmals erkundet haben, fanden wir dann den Ort. Das Haus war abgerissen, vom alten war überhaupt nichts mehr übrig. Ein neues Haus stand an dieser Stelle. Der Besitzer saß im Rollstuhl vor dem Haus. Der hat sich natürlich gleich gefreut, als wir fragten, ob hier einmal Galls gewohnt haben. Ja, Gall Andreas hat hier gewohnt, er sei aber auf dem Gut gestorben. Mein Bruder ist hier in diesem Haus geboren. Wir erfuhren, dass die Magd Marilla nicht mehr lebt und der ehemalige Knecht auch nicht mehr. Der Mann fragte, wie es uns geht und ob meine Mutti noch lebt, er erinnere sich noch, dass sie eine gute Frau war, da sie sie über alles gerne hatten und dass sie fleißig war.
Ich fragte nach der Schmiede. Es war mir noch in Erinnerung, dass mir meine Mutter erzählt hatte, wenn der Schmied nicht ihr zum Schluss, wo sie hier weg ist, nicht noch Hufeisen und Hufstollen gebracht hätte für die Pferde, dann wären wir nicht mehr mit dem Pferdegespann übers Eis gekommen, weil es über die Brücke nicht mehr ging. Das habe ich dort erzählt und die Leute waren dann ganz bewegt vom dem Erzählten. Man hat uns Getränke angeboten und wollten uns ins Haus einladen, aber die Zeit war zu knapp. Man hat uns gebeten, bald wieder zu kommen.".

Oskar Motz:

Ich war, wo wir angesiedelt waren, in Schildorf. Es hat mich nach Schildorf getrieben, weil ich keine gute Erinnerung habe an dieses Dorf. Wir wurden auf der Flucht eingeholt von den Panzern und mussten natürlich wieder zurück in den Ort, wo wir angesiedelt waren. Da gab es viele Tote. Da ist auch noch mein Vater beerdigt. Also habe ich keine gute Erinnerungen daran. Ich habe nicht viel gefunden von dem Massengrab, weil die Zeit nicht vorhanden war. Ich weiß nur, die Umgebrachten mussten vorher noch selber ihr Grab schaufeln. Das Grab meines Vater habe ich nicht mehr gefunden. Wir fanden eine freie Stelle, ein Hügel ist auch noch vorhanden, aber man sagt, dass dort, wo Deutsche beerdigt sind, kein Pole hinkommt. So habe ich Blumen gepflanzt und bin dann ins Dorf zum Pastor gefahren. Der war nicht zu Hause. Ich habe mir dann die Adresse und die Telefonnummer des Pastors geben lassen und ich werde mich mit ihm telefonisch in Verbindung setzen. Es muss doch Bücher geben, wo verzeichnet ist, wo Grabstätten sind.
Von den Kindern des ehemaligen Knechtes wurde ich empfangen, die sagten, ich solle wiederkommen. Wir haben Adressen ausgetauscht und das war bewegend. Wir haben lange suchen müssen, ehe wir dort hingefunden haben. Wir hatten nur deutsche Namen von den Dörfern von damals.
In Wielun haben wir eine Tankstelle angefahren, die Leute dort konnten uns auch nicht helfen. Ein älterer Mann, dem ein Arm fehlte, von dem dachte ich, der sicher im Krieg , der könnte uns weiter helfen. Und so war es auch. Er konnte mir sagen wo Schildorf und Dilltal sind. Dann fiel er mir um den Hals und fing an zu weinen und mir fiel es auch schwer. Dies war der erste wunderbare Tag mit Familie Eberle." .

Irma Motz:

Meine Eltern haben früher in Zempern gewohnt, da war ich sechs Jahre alt. Meine beiden Geschwister, Bruder und Schwester, wurde dort geboren. Als ich von den Reisen gehört habe, war ich schon daran interessiert, wo meine Geschwister geboren sind. Als wir den ersten Abend hier waren, erfuhr ich von Ehepaar Eberle, dass sie nach Zimpern fahren. Ich war dann so froh an diesem Abend, weil ich wusste, jetzt komme ich auch dahin. Wir waren da, aber unsern Hof haben wir nicht mehr gefunden. Viele Häuser waren abgerissen, es war wenig vorzufinden, und trotzdem bin ich erfreut, hier zu sein.
Nun muss ich noch etwas zu meinem Mann sagen. Mein Mann hat mir immer sehr viel von Bessarabien erzählt und sagte: Einmal möchte ich nach Bessarabien! Gut, dann fährst Du einmal dahin. Dann ist er dort gewesen, dann warÕs noch viel schlimmer als vorher. Der hat nur von Bessarabien erzählt, er musste unbedingt noch mal hin. Dann war er das zweite Mal hin, das war auch noch nicht genug. Jetzt fährst Du mal mit, sagte er zu mir. Dann bin ich mitgefahren. Also der würde am liebsten jedes Jahr fahren. Nach Polen hatÕs ihn nicht so hingezogen, weil er, wie gesagt, schlechte Erinnerungen hatte. Sein Vater liegt zwar hier begraben, aber er hat so vieles erlebt, das hat ihm lange Jahre zu schaffen gemacht. Jetzt wollte er noch mal hier her nach Polen, mit seinem Vater einen Abschluss machen, aber ich habe heute schon gemerkt, das war nicht das letzte Mal, der kommt bestimmt wieder hier her." .

Frau Gerda Heß:

"Wir sind nach Strasburg gefahren. Herr Lange hat uns ein Taxi besorgt, der Fahrer konnte kein Deutsch. Wir fuhren nach Fürstenau, wie es auf Deutsch hieß, Polnisch weiß ich es nicht mehr. Wir haben die Schule gefunden, wo mein Mann in die Schule gegangen ist. Und dann haben wir natürlich suchen müssen. Es waren einzelne Gehöfte, aber wir haben den Hof gefunden. Mit Händen und Füßn haben wir uns verständigen müssen. Wir fuhren in den Hof hinein. Ein älterer Herr und ein Mädchen standen auf dem Hof. Der Mann war wohl skeptisch, aber der Taxifahrer hat ihm verdeutlicht, dass mein Mann mal hier gelebt hat. Wir haben bei dem Gespräch mitbekommen, dass er seine Schwester holte. Sie konnte auch kein Deutsch. Die Leute haben uns ins Haus gebeten und wir tranken Kaffee. Wir bekamen eine Adresse, eine Frau, die wir aufsuchten, erzählte uns, dass sie fünf Jahre bei meinem Vater gearbeitet hat. Leider haben wir uns nicht so verständigen können, wie wir es gern wollten. Die ehemalige Magd fragte nach den Eltern und Geschwistern meines Mannes. Das hat sie noch alles gewusst. Wir wurden eingeladen, nochmals wieder zu kommen. Wer auf dem Hof jetzt ist, haben wir leider nicht rauskriegen können." .

Edmund Gäckle:

"Ich habe nun die Fahrten schon mehrmals mitgemacht und jedes Mal, kann man sagen, dass die Fahrten immer wieder interessant sind und wenn man diese Berichte hört, erfährt man immer wieder Neues. Man muss staunen, was Menschen so erleben. Herzlichen Dank an Frau Olga und Edwin Kelm für ihre Arbeit. Wer diese Fahrten versäumt, der versäumt in seinem Leben sehr viel. Ich bin sozusagen ein Stammkunde, im Norden bin ich manchmal auch als Reiseleiter eingesetzt und viele kennen mich schon, auch was die Bessarabienreisen angeht. Viele sind in Polen geboren und zur Schule gegangen. Ich selber bin schon in Bessarabien und auch hier in Westpreußen zur Schule gegangen, bei Bromberg. Ich habe dort einen Schulfreund, ich habe ihn heute wieder besucht, der kann sehr gut Deutsch. Ich habe mit meinem Freund damals so vieles erlebt und so viele Erinnerungen. Ich würde jedem empfehlen, diese Fahrten mitzumachen." .

Frau Hilde Hertramps:

"Zunächst möchte ich mich ganz herzlich bedanken, dass wir die Möglichkeit haben, hierzusein. Meine Cousine sagte mir am Telefon: Ich fahre nach Polen, mit Herrn Kelm! Wohin, wohin! Nach Polen, wo wir mal gewohnt haben. Habe meine Schwester angerufen und die wollte auch mit. Wir waren dann hier am Ort, wo wir mal gewohnt haben. Leider warn viele Höfe zerfallen, es hat nicht gut ausgesehen. Wir haben unsern Besuch vorher angekündigt und wir wurden ganz toll empfangen« mit viel Essen und Trinken. Die ehemaligen Knechte und Mägde mit ihren Kindern und Enkeln sind da gewesen, also, es war ein ganz herzlicher Empfang.Ich bin noch in Friedenstal in Bessarabien geboren, meine Schwester und mein Bruder sind in Leschnow geboren." .

Name unbekannt:

Ich habe von meiner Lebensgefährtin über Bessarabien gehört; sie war noch nicht dort. Ich habe gesagt: So, und nun möchte ich mal wissen, wo du herkommst! Und seither sind wir schon drei Mal dort gewesen. Und ich sage: Wie sieht es denn aus? In Polen wart Ihr doch auch? Ach, sagte sie, ich weiß nicht, ob ich da hin soll. Und dann hab ich einen Trick benutzt, sie ist im Januar 70 Jahre alt geworden und dann wollte ich ihr was schenken. Was schenkt man, gibt man Geld, dann kauft sie etwas, was nachher im Schrank steht. Und dann hab ich gesagt: Weißt was, ich meld dich an und ich geh mit! (Applaus).
Und jetzt haben wir einen guten Taxifahrer erwischt und dem haben wir gesagt, wo wir hin wollen, nach Holentri. Wir sind dort hingefahren. Wir fuhren durch Gemarkungen, Feldwege und Schlaglöcher, dann haben wir den Ort gefunden. Wir sind rein auf einen Hof, der Taxifahrer hat mit einem älteren Mann gesprochen, der ihm sagte, warum wir kommen. Wir wollten den ehemaligen Knecht besuchen. Der Mann sagte, er sei der Schwager des früheren Knechtes, der sei aber kürzlich gestorben. Das war natürlich ein kleiner Tiefschlag. Wir haben uns den Hof angeschaut." .

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