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Stand der Beziehung Höch / Hausmann1921

Er unterstützte damit Höchs künstlerisches Selbstbewußtsein, und das hatte sie dringend nötig. Denn Hausmann versuchte gerade in dieser Hinsicht ihr enge Grenzen zu ziehen. Kontakte zu anderen Berliner Dadaisten blieben mit Ausnahme Baader locker. Schwitters aber machte sie in den Jahren ihrer Freundschaft seit1922 unterschiedslos mit allen Personen aus seinem Bekannten- und Freundeskreis bekannt. Und sie kam in die Lage, Beziehungen zu unterhalten, die auch unabhängig von Schwitters hielten.Schwitters kannte sicherlich die Attacken Höchs gegen Hausmann, die sie auf den Jours bei Arthur Segal vortrug. Hausmann trug dort ebenfalls vor, aber im Mai 1921 verbat sich Segal weitere Vorträge von seiner Seite.(1) Sie scheinen nicht mehr als einmalige Entgleisungen kaschierbar gewesen zu sein. Eher noch wurde ihm vier Wochen später schon der Status eines Kindes repektive Engels zugestanden (2) Schwitters verkehrte 1921 selbst in diesem halböffentlichen Rahmen; es wurde vorgelesen und Tee getrunken. Erna Segal scheint bereits am 14. Juni 1921 aus Franz Müllers Drahtfrühling (3) rezitiert zu haben. Hannah Höch verspottete Hausmann in einer ihrer Grotesken als beschränktes Individuum, einen Maler, der nur in rot, blau und gelb zu malen verstünde, sie selbst dagegen sei frei in der Verwendung der Farben. Außerdem hätte er sie wie eine Puppe auseinandergenommen, sei aber unfähig gewesen, sie wieder zusammen zu setzen. Ihre Vorträge erregten keinen Anstoß. Eine frühe radikale Kritik der Vulgärpsychoanalyse. Hier könnte man sich den Kreis vorstellen, in dem Wenzel Kind aufgenommen wurde
1. Brief von Segal an Hausmann Mai 1921 In: Hannah Höch.Eine LebenscollageBand 2 Abt. 2 Berlin 1995 S.23
Segal weist ihn zurecht wie einen Jungen.
2. Zeichnung "Er ist ein Engel und ein Kind" In: Hannah Höch.Eine LebenscollageBand 2 Abt. 1 Berlin 1995 Abb. S. 185
3. vgl Zitat aus Franz Müllers Drahtfrühling auf der Zeichnung "Er ist ein Engel und ein Kind" In: Hannah Höch.Eine LebenscollageBand 2 Abt. 1 Berlin 1995 Abb. S. 185
(Hanne Bergius S.289 1923 datiert)
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